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Fashion Week Recap A/W’17 – Oder: Wenn diese eine Black Mirror Folge Realität wird.

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Berlin, 17. Januar 2017. Eine leichte Eisschicht hat sich über Nacht auf den Autoscheiben gebildet. Die Luft ist glasklar und die Sonne blinzelt durch die kargen Äste am Straßenrand. Heute ist der erste offizielle Tag der Berlin Fashion Week und dieses Jahr sollte alles anders, besser werden? JEIN! Was mich in diesem Jahr tatsächlich geschockt hat und warum es für mich dennoch die bisher schoenste Fashion Week war? Ja, auch ich gebe heute nochmal meinen Senf dazu. Aber beginnen wir mit einem kleinen Blick in die Vergangenheit…

R Ü C K B L I C K

Wir schreiben das Jahr 2009. In meiner Hand eine Einladung für die Show von Strenesse. Mein erster Besuch auf der Berliner Fashion Week (ich musste das Jahr tatsächlich googlen). Damals war es für mich der absolute Wahnsinn. Das Zelt am Brandenburger Tor. Der Spirit. Die Menschen. Meine Augen klebten an den Looks. Den Models. Diesem ganzen Modezauber, dem ich mich schon damals gerne hingegeben habe. Früher gab es uns Blogger noch nicht. Oder sagen wir nicht in der Art wie heute. Stichwort: Influencer. Instagram und Co. – who cares!

H E U T E

…ist das alles ein bisschen anders. Wir befinden uns nicht mehr am Brandenburger Tor im elitären Zelt, sondern im Kaufhaus Jandorf. Eine roughe Location im Fashion-Epizentrum Berlin Mitte unweit des Rosenthaler Platzes. Schon von außen schreit das abgerockte Kaufhaus „That’s so Berlin„. Vor der Tür tummeln sich die Streetstyle Fotografen. Blogger posen in ihren Samples für die Kameras. Sie tummeln sich in den Frontrows und lassen ihre Follower via LIVE Story an den Shows teilnehmen. Und wir, Domi von Goldschnee und ich mitten drin. Ja, auch wir sind Teil dieser Bloggerwelt, die den Trubel gerne mitmachen.

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Klar, planen auch wir unsere Looks, die ihr übrigens ganz unten findet. Wir freuen uns über Einladungen und nehmen unsere Plätze gern in den vorderen Reihen ein. Auch wir starten unsere Story noch bevor das Licht angeht. Ja, auch wir sind dabei im Modewahnsinn, nehmen das alles aber nicht so Ernst. Uns nicht zu Ernst. Und genau deshalb bin ich immer noch aufgeregt. Freue mich immer noch auf den Moment, wenn der Bass einsetzt und das erste Model über den Catwalk schreitet. Bin dankbar dafür, dass ich Gast bei Antonia Goy, Leonie Mergen, Steinrohner, Marina Hoermanseder oder Isabel Vollrath sein durfte. Die wenigen Minuten mitzuerleben, die den Designern, den Teams, den Agenturen und Organisatoren so viel Arbeit gekostet haben. Meine persönlichen Highlights waren übrigens die Schauen von Holy Ghost ♥ und Malaikaraiss.Holy_Ghost_Berlin_Fashion_Week

Was für mich besonders schoen an dieser Fashion Week war? Dass ich diese verrückten Momente mit Domi teilen konnte und der Punkt die Modewoche 100% als Gast wahrnehmen zu können. Ohne Pendelei zwischen Schreibtisch und Akkreditierungscounter. So war dieses Jahr einfach viel mehr Raum um auf ein Wiedersehen mit Jesko und Maria von The Glaws anzustoßen, für spontane Lunch-Dates mit Swantje (The Original Copy) und Hanna (Foxycheeks) oder den Abstecher zum Rosenburger mit Anais (Anais Anais) und Elisa (Schwarzer Samt).

Dennoch merkt ihr an meiner Schreibweise, dass hier auch ein bisschen Sarkasmus mitschwingt, denn einige Dinge entwickeln sich in eine ganz seltsame Richtung, die man nur so richtig mitbekommt, wenn man eigentlich schon selbst mitten drin steckt. Vorweg: Ich möchte niemanden persönlich angreifen aber euch vielleicht einmal hinter die rosarote Bloggerwelt schauen lassen. It’s Fashion Week Baby oder auch willkommen in der Folge „Nosedive“ von Black Mirror. Diese vier Phänomene haben mich – ja – tatsächlich geschockt!

A U S B L I C K

Black_Mirror_Nosedive

1) Augen zu Smartphone an. Eine der schlimmsten Entwicklungen, die ich erlebt habe, zeigt einfach wie sehr uns das Thema Digitalisierung im Griff hat. Ich habe mich zum Teil gefühlt wie in dieser Black Mirror Folge in der Lacie zum „Prime Influencer“ werden möchte. Wer sie nicht kennt, kann HIER nachlesen, worum es geht.

Holy_GhostIch schließe mich nicht aus. Wie oben schon geschrieben, habe auch ich mein Handy in der Hand und warte auf den vermeintlich perfekten Shot, den ich dann irgendwo hochladen kann. Das Boomerang, das meinen Followern einen Eindruck von der Show verschaffen soll. Und ich finde es schrecklich, ernsthaft. ABER, es gibt tatsächlich Menschen, die dem ganzen noch das i-Tüpfelchen aufsetzen und sich eine komplette Show durch ihren Smartphone-Bildschirm anschauen. Oder noch besser, die die Nachrichten schreiben und noch nicht mal den Kopf heben. Und warum checken einige parallel andere Snaps und Stories? Hallo Leute? Worum geht es euch? Schoene Bilder für eure Feeds? Geht es euch einfach nur darum dabei zu sein?

Die Mode und die Designer rücken in meinen Augen immer mehr in den Hintergrund und das finde ich traurig. Sehr traurig. Erschreckend sogar. Klar leben die Designer auch von unserer Berichterstattung. I know! Aber es muss doch auch noch Zwischenlösungen geben…

2) Hallo Höhenflug! Hinter jedem Blog steckt doch eigentlich ein ganz normales Mädchen oder ein ganz normaler Junge, die oder der durch Fleiß und harte Arbeit, ein paar Fotos und einer Portion Glück zu einer attraktiven Followerschaft gebracht hat. Klar gibt es unter uns Bloggern inzwischen kleine und größere Stars und Sternchen. Vielleicht könnte man den ein oder die andere sogar als It-Girls oder It-Boy betiteln. Es ist schade zu sehen, dass einige von uns das manchmal vergessen. Auf einmal ist es schwer ein „hallo“ über die Lippen zu bekommen. Oder es muss erst etwas gepostet werden, bevor man sich unterhalten kann. Man wird nicht einmal wahrgenommen, weil die eigene Followeranzahl vielleicht nicht ganz der Vorstellung des Gegenübers entspricht. Egal welche Zahl da bei Instagram oder sonst wo steht, Höflichkeit sollte doch zum guten Ton gehören. Oder? Wer die Black Mirror Folge kennt, von der ich spreche wird jetzt wahrscheinlich einige Parallelen sehen. Wie hat es die Zeit so schoen genannt Das Terrorregime des Likens. Hier gibt es ein 5-Sterne System und alle Menschen unter 4 Sternen gehören einfach nicht dazu. Kommt mir bekannt vor…

Malaikaraiss_Fashion_Week

3) Gesundheit f*ck you! Einmal von einem Streetstyle Fotografen eingefangen zu werden, davon träumen viele Blogger. Und wenn der Look dann auch noch irgendwo gefeatured wird – uhlala. Wenn du nicht gerade zur Bloggerelite gehörst, ein überkandideltes oder viel zu nacktes Outfit trägst, ist das aber eher Seltenheit. Wobei wir auch schon beim Thema sind. Nun ja, wir erinnern uns an den Raureif auf den Autoscheiben am morgen des ersten Fashion Week Tages. Genau der hat mich tatsächlich mehrfach dazu gebracht den Kopf zu schütteln. Oder viel mehr einige Looks, die bei mir immer noch Gänsehaut auslösen. Es kann ja jeder tragen was er will. Dennoch muss ich meine Verwunderung über nackte Füße in Gucci Slippern, kurze Kleidchen und nur in Netzstrumpfhosen gehüllte Beine bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt äußern. Brr… sorry Girls, wir haben Januar und ich verstehe es einfach nicht. Alles nur für diesen einen Shot? Nein danke, da verzichte ich lieber und freue mich darüber, dass ich jetzt nicht mit einer Erkältung im Bett liege.

FashionWeek_streetstyle       Foto Credit: thestreetvibe.com

4) Skinny Bitch! Mit Photoshop zum Instastar„, zuletzt möchte ich ein großes Dankeschön an Jana und Alix für dieses grandios ehrliche Experiment schicken. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. Jana und Alix haben ein kleines Experiment gewagt und ein mehr als unnatürlich zerschopptes Foto auf Instagram gepostet. bekleidet_experimentHallo Strichbeinchen und Wespentaille. Hallo perfekter Hintergrund und Rapunzelhaar. Und klar ein Kätzchen auf dem Arm darf natürlich auch nicht fehlen (wobei das sogar echt war). Innerhalb von kürzester Zeit erhielt dieses Bild unzählige Herzchen, Likes und positive Kommentare. Was ist nur los in dieser Welt? In Zeiten in denen Wolken in Flugzeugfenstern auf das Outfit abgestimmt werden, das Augenweiß aufgehellt und die Konfektionsgröße mindestens zwei Größen nach unten geschummelt wird, sollten wir uns langsam einmal fragen, wo dieser Wahn uns hinführen soll? Klar, wir schauen alle, dass wir gut auf unseren Fotos aussehen. Auch ich lasse den Monsterpickel verschwinden und lege mir Concealer auf, um die Augenringe abzudecken. Aber wenn ein Foto so inszeniert wird, dass es mir schon gar keinen Spaß mehr macht hinzuschauen, dann frage ich mich, ob ich in dieser Welt richtig bin. Mir macht es tatsächlich Angst. Wo soll das hinführen? Alles nur für das 5-Sterne Ranking?

Vielleicht denken wir (Blogger) alle noch einmal eine Runde über unsere Prioritäten nach und versuchen diesen ganzen Zirkus um die Fashion Week nicht ganz so Ernst zu nehmen. Macht viel mehr Spaß! Und auch wenn hier doch ein paar kritische Zeilen in die Tastatur getippt wurden, hat mir die Modewoche an sich sehr gut gefallen. Sie war neuartig, anders und mit einem ganz eigenen Charakter. Von mir aus kann das Kaufhaus Jandorf weiterhin als Location dienen. Gemeinsam mit dem Ambiente im Modesalon im Kronprinzenpalais und den vielen historischen Off-Site Locations kann sich die Berliner Fashion Week wirklich sehen lassen.

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2 Gedanken zu “Fashion Week Recap A/W’17 – Oder: Wenn diese eine Black Mirror Folge Realität wird.

  1. Wunderbarer Artikel und Beitrag, danke dafür!
    Ich finde deine Herangehensweise super! Werde selbst kommendes Wochenende die Fashion Week Stockholm besuchen- auch mit dicker Jacke und hoffentlich viel Spaß. :D
    Ja, dieses ständige Am-Handy-Kleben ist furchtbar. Man verliert doch so nur noch den letzten Rest Bezug zu dem, was eigentlich direkt vor deinen Augen stattfindet. Es ist etwas völlig anderes, eine Show am Bildschirm anzusehen, als sie in echt zu sehen. Wieso nicht einfach den auch mal Moment genießen?
    Das mit den überheblichen Bloggern kann ich mir gut vorstellen. In meiner Sparte, der fairen Mode, ist das zum Glück fast gar nicht vorhanden. Zu mir sind zumindest alle immer sehr nett.

    Schön geschrieben, weiter so!

    Liebe Grüße,
    Laurel

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